Neulich bekam mein Neffe einen alten Dell Optiplex mit einer Intel HD2000 iGPU. Ich wollte herausfinden, welche Spiele auf dieser GPU theoretisch noch laufen könnten. Da ich keinen direkten Zugriff auf die HD2000 hatte, wählte ich einen pragmatischen Ansatz: Wenn ein Spiel auf meiner alten ATI Radeon HD 3450 läuft, sollte es auch auf der Intel HD2000 lauffähig sein.

Hier ein Überblick über die wichtigsten technischen Daten der beiden GPUs:

Eigenschaft Intel HD2000 ATI Radeon HD 3450
Erscheinungsjahr 2011 2007
GPU-Architektur Sandy Bridge RV620
Shader-Einheiten 6 80
Basis-Takt 650 MHz 450 MHz
VRAM Shared Memory (bis 1 GB) 256 MB GDDR3
DirectX-Unterstützung 10.1 10.0
OpenGL-Unterstützung 3.1 2.0
PCIe nativ in CPU PCIe x16

Die Intel HD2000 verfügt über nur sechs Shader-Einheiten und einen Basis-Takt von 650 MHz, nutzt aber Shared Memory vom Hauptspeicher, was die verfügbare Bandbreite und Leistung stark einschränkt. Die ATI Radeon HD 3450 hat zwar mehr Shader (80) und einen niedrigeren Takt von 450 MHz, verfügt aber über eigenen VRAM, wodurch sie in dieser Hinsicht im Vorteil ist. Beide GPUs sind leistungstechnisch begrenzt und eignen sich nur für ältere Spiele und Anwendungen mit niedrigen Anforderungen.

Unter Linux habe ich die Spiele bzw. glmark2 gezielt auf der ATI Radeon HD 3450 rendern lassen, während die Bildausgabe über die primäre GPU (AMD Radeon RX 570) lief. Dies wurde durch die Umgebungsvariable DRI_PRIME=1 ermöglicht, die zum Direct Rendering Infrastructure (DRI)-Subsystem des Linux-Grafikstacks gehört.

DRI_PRIME trennt das Rendering von der Bildausgabe auf dem Monitor. In meinem Setup bedeutete das konkret:

  1. Rendering-GPU: Alle OpenGL-Befehle wurden gezielt an die alte ATI Radeon HD 3450 (DRI_PRIME=1) geschickt, die die Frames berechnete.
  2. Display-GPU: Die fertig gerenderten Frames wurden über den PCIe-Bus zur leistungsstärkeren AMD Radeon RX 570 transferiert, die sie schließlich auf dem Monitor ausgab.

Zum Beispiel kann man den folgenden Befehl verwenden, um glmark2 auf der Radeon HD 3450 auszuführen:

1
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# Benchmark über die sekundäre GPU (ATI Radeon HD 3450) ausführen
DRI_PRIME=1 glmark2

# Benchmark über die primäre GPU (AMD Radeon RX 570) ausführen
glmark2

Die Ergebnisse waren ernüchternd. Selbst relativ alte Spiele wie Beyond Good and Evil erreichen kaum 30 FPS. LEGO-Spiele laufen auf niedrigsten Einstellungen einigermaßen flüssig, Minecraft (Java, Version 1.8.9, keine Mods außer Optifine) schafft selten mehr als 25 FPS. Insgesamt erlaubt der Test eine grobe Einschätzung, welche Titel auf der Intel HD2000 theoretisch noch spielbar sein könnten. Auf älteren Engines wie id Tech 3 (Quake III Arena), GoldSrc (Half-Life 1), Unreal Engine 1 (Deus Ex, UT99) oder der Warcraft III Engine sollte das Spielen auch mit der HD2000 ohne größere Abstriche möglich sein. Diese Engines setzen auf einfache Grafikpipeline ohne Shader und sind selbst mit geringer Shader-Leistung und Shared Memory noch flüssig bedienbar. Für alles, was danach kam, insbesondere Shader-basierte Engines wie Source oder id Tech 4, wird die Leistung jedoch schnell zum limitierenden Faktor.